Philippinen Reisebericht

Reisebericht von Andreas

  

Donnerstag 4. April 2002

Blau, blau und noch einmal blau. Das Meer erscheint uns endlos. Vereinzelt sehen wir  die ersten kleinen Inseln, die teilweise nur einige hundert Meter messen, aus der Vogelperspektive. Wir befinden uns an Bord einer BOING 737 in 10.000 Metern Höhe. Fast 24 Stunden haben wir nicht geschlafen. Lediglich in Kuala Lumpur konnten wir mal kurz die Augen für ein Nickerchen schließen. Und nun steigt in uns die Spannung, da wir in ca. einer Stunde zum ersten Mal philippinischen Boden betreten werden.

 

Zu Hause wurden wir oft gefragt: "Na? Wohin geht's denn diesmal in Urlaub?""Nach CEBU", war unsere Antwort. Fast immer blickten wir anschließend in fragende Gesichter. Kein Mensch kennt CEBU! "Wo ist das denn?“ Nachdem dann das Wort PHILIPPINEN fällt, verändert sich die Mimik unseres Gegenübers.  Aus Neugierde wird innerhalb einer Sekunde Entrüstung. "Das ist doch gefährlich", "Da werden doch Leute entführt". Die geographische Lage CEBU'S im Archipel spielt nun keine Rolle mehr. Das ist halt "irgendwo da hinten", wo es fanatische Moslems gibt.  Und überhaupt, - die KANAREN wären doch bestimmt auch schön, und zudem sicherer. Jedem das Seine....

 

 

Schon setzt der Flieger auf. Der Taxi Agent am Flughafen macht uns ein Angebot für 195 Peso. Obwohl er uns etliche Quittungen mit diesem Preis  zeigt, glauben wir, daß es auch billiger geht. Am Ende zahlen wir 150 Peso, - obwohl das eigentlich immer noch viel zu viel ist. Wer hat nach einem langen Flug schon noch die Nerven um 50 Cent zu feilschen? Der erste Eindruck von CEBU gefällt uns sehr gut. Im recht ruhigen Verkehr erreichen wir CEBU-CITY, und schnell finden wir eine Unterkunft in unserer Preisklasse. Der Pub "OUR PLACE" entpuppt sich als Treffpunkt von betagten Biertrinkern, die sich hauptsächlich mit der einheimischen Weiblichkeit beschäftigen. Nicht ganz unser Fall. Um 10 Uhr gehen wir schlafen. Schließlich sind wir schon lange auf den Beinen. 

 

Freitag 5.April 2002

 

Die tiefste Temperatur im Zimmer war heute nacht 31 °C.  Nach einer Dusche und Frühstück, stehen jetzt Geldwechsel, Ticketbuchung und Shopping auf dem Programm. Weil alle Banken geschlossen sind, wählen wir einen privaten MONEY-CHANGER, und tauschen 1000 Euro. Die Buchung eines Bootstickets zu den CAMOTES muß leider entfallen, weil kein Mensch sich damit richtig auskennt. Scheint wohl keine übliche Route zu sein. Wir erstehen einige Kleinigkeiten und ein Startset mit einheimischem RUM. Das Bier ist hier in etwa preisgleich mit Wasser. Aber der Rum ist noch billiger: 0,35 Liter kosten 0,50 Cent. Wie kann man für diesen Preis Rum brennen? Noch ein paar Stadtfotos, und schon ist die Sonne weg. Zeit für ein gekühltes SAN MIGUEL BIER (SMB). In der nahegelegenen Billard-Bar lassen wir uns es gut gehen. Zwischendurch einen Spieß am Straßenrand, und noch mal einige leicht bekleidete Mädchen unterhalten uns mit ihren perfekten Spagatkünsten. Kann man mal gesehen haben.......muss man aber nicht. 0:30 Uhr ist Schlafenszeit.

  

Samstag 6.April 2002

Wir sind recht früh wach und packen unseren Rucksack. Frühstück fällt heute aus. Mit dem Taxi geht es zum NORTHERN BUS-TERMINAL. Mit dem  Bus dann in einer Stunde nach DANAO. Endlich sehen wir mal etwas von der Gegend. Unterwegs hat ein LKW seinen Auflieger verloren. Das scheint aber niemanden zu beunruhigen. Am Straßenrand werden ganze Schweine gegrillt. Dieser Anblick erinnert mich an das fehlende Frühstück, und leitet spontan einen vermehrten Speichelfluß ein.

 Plötzlich gibt unser Bus ein lautes Knacken von sich. Allerdings handelt es sich nur um das Einschaltgeräusch der Stereo-Anlage. Spätesten jetzt merkt jeder,  daß die Sitzbänke auf etlichen Baßlautsprechern stehen. Der Klang ist grauenhaft, aber dafür ohrenbetäubend laut. Die Filipinos nehmen das alles mit einer Seelenruhe hin, - scheint wohl ganz normal hier zu sein. Gehen 10 Uhr erreichen wir DANAO. Das Boot wird noch mit Gütern aller Art beladen, und um 12:30 legt es ab zu den CAMOTES.

Kurz vor unserem Ziel erreichen uns etliche Fischerboote, die schon hier auf dem Meer ihre bestellten Waren erhalten. Die bisher so ruhigen Fahrgäste werden nunäußerst geschäftstüchtig. Fische werden aus großen Wannen in Plastiktüten verteilt und verkauft. Selbst die kleine Federwaage fehlt nicht, mit der die Fische abgewogen werden. Wenig später gehen wir in TULANG an Land. Die freundliche Oma sagt, es seien nur 2 km bis nach ESPERANZA, und man bekäme dort bestimmt eine Unterkunft. Nun denn....let's walk.  ESPARANA entpuppt sich als kleines Dorf mit Holzhütten und netten Bewohnern. Unsere Frage nach einem Nachtlager löst ein schallendes Gelächter unter den zahllosen Kindern aus, die uns inzwischen umringen. Nun werden wir auf eine Bank gesetzt und von der Dorfgemeinde angestarrt. Als Heike ihre Kamera zeigt, werden unsere Gastgeber etwas lockerer. Wir müssen jeden fotografieren, und die Kinder scheinen daran ihren Spaß zu haben. Unsere Erfahrung gibt uns wieder mal recht. Nach kurzer Zeit bietet man uns einen Transport zu einem GUEST  HOUSE an. Ab ins Boot, ein Blick zurück auf unzählige winkende Kinderhände, und 15 Minuten später haben wir ein Zimmer. 

 

Nach einer kurzen Abkühlung im Meer gehen wir ein wenig durch den Ort. In den kleinen Hütten bekommt man alles für den täglichen Bedarf, sogar Bier in Literflaschen. Als wir in einer Bude Kochtöpfe sehen, erinnern wir uns an das Abendessen.  Die freundliche Frau zeigt uns den Inhalt, und schon ist der Teller voll. Fleisch mit Bohnen, Reis und Gemüse. Das Ganze für 70 Cent.

Auf unserer Terrasse lassen wir den Tag Revue passieren, und trinken unseren einheimischen Tanduay-Rum. Seltsamerweise ist die Flasche am nächsten Morgen leer. Man kann sich an das Zeug gewöhnen.

  

Sonntag 7. April 2002

Der Vormittag beginnt sehr relaxed auf unserem Handtuch am Strand. Es gibt ein paar schattenspendende Bäume,  unter die wir uns legen. Mit der Sonne müssen wir sehr vorsichtig sein, das sind unsere ersten Tage am Strand. Das Wasser ist mollig warm und glasklar. Dennoch hält sich der Badespaß in Grenzen, weil der Strand wohl gleichzeitig die Toilette des Dorfes ist. Man muss schon genau aufpassen, wo man schwimmen geht. Gegen 15 Uhr machen wir uns auf den Weg nach ESPERANZA, um ein wenig von der Gegend zu sehen. In den Gärten sehen wir Jackfruit, Ananas und Bananen. Seltsamer weise werden die Früchte hier nirgendwo verkauft. In ESPERANZA  werden wir freudig begrüßt, und auf unsere Bank gesetzt. Nach einer kurzen, stockenden Unterhaltung treten wir den Heimweg an. Klappt halt nicht immer mit den netten Gesprächen. Zum Abendessen bekommen wir heute BULA BULA (Frikadellen) und gekochte Rinderschwarte auf Reis. Nichts für schwache Nerven. Noch etwas Bier und Rum auf der Terrasse, und Tag ist vorbei. Meine Nase läuft, und der Hals kratzt.  Kaum zu glauben: es ist 23 Uhr, das Thermometer zeigt 29° C und ich bekomme eine Erkältung.

  

 

Montag 8. April 2002

Schlecht geschlafen und verschnupft stehe ich erst um 11 Uhr auf. Heike hat schon eingekauft und Kaffee gekocht. Unsere geplante Tour zum LAKE DANAO fällt heute leider aus. Heike geht Schnorcheln, während ich ein paar Seiten lese. Kurz darauf ist sie  von Kindern umringt. Blitzflink klettert so ein Bursche auf eine Palme und pflückt einige Kokosnüsse. Mit der Machete schlägt dieser 11jährige nun auf die Frucht ein, daß jeder deutschen Mutter Angst und Bange werden würde.

 Noch ein Pieks mit der Spitze und sie wird uns serviert. Wir revanchieren uns mit einer Cola, die ohne Streß und Neid unter allen Kindern aufgeteilt wird.  Als wenn das noch nicht genug wäre, werden uns noch Bananen und Ananas gebracht. Auffällig ist der harmonische Umgang der Kinder untereinander. Keines profiliert sich besonders, und es gibt scheinbar keine Aggressionen. Selbst bei kleinen Kämpfen gehen sie sehr behutsam miteinander um. Oft halten die Älteren ihre kleinen Geschwister im Arm. Ein bei uns recht seltener Anblick.

 Beim morgendlichen Einkauf lies Heike verlauten, daß wir morgen abreisen werden. Schon kurz nach unserer Ankunft wusste das komplette Dorf, dass 2 Weiße zu Gast sind.  Wir sind davon überzeugt, daß jeder unserer Schritte genau beobachtet wird. Wenn nun die Buschtrommel richtig funktioniert, sollte es bald die ersten Angebote für den Transport zum Hafen geben. Wir sind darauf angewiesen, denn es gibt hier keine öffentlichen Verkehrsmittel, und die Strecke beträgt 12 Kilometer. Bei Einbruch der Dunkelheit  ist es dann soweit. Zwei junge Burschen wollen uns mit dem Motorrad fahren. Da wir nicht mit dem OCEAN JET (Schnellfähre), sondern mit einem kleinen Auslegerboot  fahren möchten, müssen wir früher los als erwartet. Wir verabreden uns für fünf Uhr morgens. Aus Sorge zu verschlafen, finden wir kaum Ruhe in dieser Nacht.

 

Außerdem bekommen wir noch mehrmals an diesem Abend Besuch von den Kids...

Die haben natürlich auch von unseren Plänen erfahren, und wollen sich auf diese Weise verabschieden.

 

Dienstag 9. April 2002  

Das Motorrad kommt pünktlich. Unser Frühstück besteht nur noch aus zwei Bananen. Die restlichen Gebäckstücke wurden schon in der Nacht von irgendwelchen Nagetieren verspeist. Nun stellt sich die Frage: Wie bekommt man uns, mitsamt  zwei Rucksäcken  auf eine 100cc Yamaha? Unserem Fahrer bereitet das nun wirklich kein Kopfzerbrechen. Kurz darauf fahren wir in die Nacht hinein. Die Fuhre ist sehr wackelig, und wir wagen keine Bewegung, bevor wir am Bootssteg ankommen. Das Boot ist klein, und außer uns fahren nur vier weitere Passagiere mit. Gerade wird noch eine stattliche Wasserschildkröte verladen. Nach drei Stunden Fahrt mit ohrenbetäubendem Lärm, legen wir in ORMOC auf  LEYTE an. Zwischen den Betonbruchstücken eines ehemaligen Verladepiers tummeln sich zahllose Ratten.  Nichts, - aber auch gar nichts erinnert hier an eine tropische Trauminsel.  Das Wasser ist schmutzig und Müll übersät. So marschieren wir zur Ortsmitte, um nach einer Busverbindung Ausschau zu halten. Glück gehabt, - in zehn Minuten fährt ein JEEPNEY nach SAN ISIDRO an der Nordküste.  Wir decken uns mit Mangos ein, und schafften es gerade noch einen Fleischspieß zu essen.


 

Die Fahrt geht zügig voran, obwohl wir an jeder Ecke halten um noch weitere Fahrgäste mitzunehmen. Als ein Stop  zu lange dauert, kommt Unruhe unter den Fahrgästen auf. Beim Aussteigen sehen wir dann die Ursache.  Der Inhalt des Kühlers ergießt sich über die Straße.

 

Als ein weiterer Bus in Sichtweite kommt, verlassen die meisten Einheimischen ihren Platz  und steigen um.  Wir bleiben mit zwei philippinischen Frauen zurück, und warten auf die Dinge die da kommen mögen. Nach einer knappen Stunde hält wieder ein Bus, und wir werden aufgefordert einzusteigen.  Heckklappe auf, Rucksäcke rein  und ab geht die Fahrt. Aus den Lautsprechern dröhnt "FUNKY TOWN" und wir quetschen uns auf die seitlich angebrachten Sitzbänke.  Die Teerstraße endet nun, und wir fahren über unbefestigte Strecke. Der Staub dringt durch die kleinen offenen Fenster, und wir können leider nichts von der vermutlich schönen Gegend sehen. Immer wieder steigen Leute ein und aus, beladen mit den unterschiedlichsten Waren. Mit lebenden Tieren müssen wir unseren Platz nicht teilen. Die werden hier hauptsächlich auf Zweirädern transportiert.

Ein Brett, quer auf dem Gepäckträger befestigt, bietet locker Platz für zwei mittelgroße Schweine. Die werden in Rückenlage festgezurrt , und seitlich haben darunter noch zwei Ziegen Platz, die mit den Beinen nach oben aufgehängt sind. Dass das laute quieken der Schweine auf den Fahrspaß zurückzuführen ist, wage ich zu bezweifeln. Der Bus stoppt

erneut. Diesmal hat der Lkw vor uns einem Plattfuß, und wir können nicht vorbei fahren. Zeit für ein paar Mangos in der glühenden Hitze.

Früher als erwartet erreichen wir San Isidro... Das Boot nach MAJA fährt heute nicht mehr, so suchen wir uns eine Unterkunft. Die nette Dame spricht exzellentes Englisch, und wir bekommen ein Zimmer der besten Sorte.  Nach drei Stunden Schlaf verspüren wir ein leichtes Hungergefühl. Im Ort gibt es einen Marktplatz, und es werden Spieße gegrillt. Nach zwei Hühnerbeinen sind wir etwas durstig, und somit auf der Suche nach dem einheimischen Gerstensaft. Als wir zwei Flaschen for TAKE AWAY ordern, werden wir an einen Tisch gebeten.  Uns wird ein Katalog mit internationalen Songs übergeben, und spätestens jetzt wird klar, daß es sich um eine KARAOKE BAR handelt.

Unser Tisch füllt sich allmählich mit den Malochern des Ortes, die abwechselnd ihre herzzerreißenden Gesangskünste zum Besten geben.

Nach unzähligen SMB und MABUHAY'S  höre ich mich selbst MERCEDES BENZ von JANIS JOPLIN singen. Ich halte dieses Mikrofon in der Hand, das ich doch zuvor so vehement abgelehnt habe.

Zeit zu gehen. Die Kollegen werden ohnehin immer dreister und laufen auf Lau.

 

Mittwoch 10. April 2002  

Wir werden um 6:30 Uhr wach, und bekommen ein Frühstück serviert. Das Moped steht schon vor der Tür, und in gewohnt wackeliger Art und Weise werden wir zum Anleger gebracht. Das Boot legt schon ab, und muß für uns nochmals den Steg auswerfen. Zu allem Überfluss wird uns angeboten zuerst auf MALAPASCUA  anzulegen. Wir zahlen den überhöhten Preis, denn ich fühle mich gar nicht gut. Die Erkältung schlägt mir auf die Ohren, - Zeit zum relaxen.


MALAPASCUA zeigt sich von seiner schönsten Seite. Traumhaft klares Wasser in allen Blau- und Türkistönen, und blendend weißer Sand mit der Körnung von Puderzucker. 

  Recht leicht finden wir eine Hütte am Strand. Die Preise bewegen sich hier allerdings in einer für uns unbekannten Größenordnung. Für das, was ein Bier, Bananen-Shake und Sandwich  kosten, konnten wir auf den CAMOTES den ganzen Tag leben. Nach dem Dinner im SUNSPLASH Restaurant lassen wir den Tag am Strand ausklingen. Auf Stühlen sitzend wärmen wir unsere Füße im wohl temperiertem Meerwasser. Es geht leichter Wind, der Sternenhimmel ist perfekt, und wir sind froh hier zu sein. 

 

 

Donnerstag 11. April 2002

Der Tagesablauf gestaltet sich hier anders als in der Woche zuvor. Morgens wird erst einmal ausgeschlafen, und dann eine Runde im Meer geschwommen, bevor wir zum Frühstück gehen. Da diese Situation des Nichtstuns für uns ungewohnt ist, kaufen wir ein paar Postkarten. Seltsamerweise, kommen wir nicht mehr zum Schreiben. Im Dorf LOGON gibt es noch etwas zu sehen. Direkt neben diesen vielen Ressorts, die scheinbar alle in ausländischer Hand sind, existiert noch ein ganz normales philippinisches Dorfleben. Vor den Häusern sind Schweine und Ziegen angebunden, und jeder geht in aller Ruhe seiner Beschäftigung nach. Sei es nun, aus Gras die Matten der Dächer anzufertigen, oder Betonsteine zu gießen. Schon ist es 16 Uhr und auf dem Floß der SUNSPLASH BAR wird zur HAPPY HOUR geladen. Das Ganze steht unter dem Motto:

PAY ONE - GET TWO.


Wir nehmen ein paar Drinks und springen zwischendurch immer wieder ins Wasser um uns abzukühlen. Solange wir noch mühelos auf das Floß zurück klettern können, bestellen wir noch einen. Die Sonne geht unter, ein letzter RUM/COKE, und wir gehen heim.


Freitag 12. April 2002

Das Wetter verändert sich leicht und immer wieder ist der Himmel bedeckt. Trotzdem ist es warm. Unsere Haut wird es uns danken, denn die Strahlung ist auch bei wolkenverhangenem Himmel noch recht hoch. Wir nutzen die Gelegenheit für eine Wanderung um die Insel. Viele kleine Dörfer gibt es hier zu bestaunen. In jedem werden wir freudig von einer Kinderschar begrüßt. Das Leben ist  recht einfach, und die Hütten befinden sich teilweise in schlechtem Zustand. Dennoch findet man in vielen Behausungen einen Fernseher und sogar DVD - PLAYER. Mit diesen unterschiedlichen Eindrücken gehen wir zurück. Wir sind ohnehin recht durchgeweicht, weil es immer wieder regnet.

Das Abendessen im SUNSPLASH beginnt äußerst spektakulär. Zwei Österreicher punkten für ihr Land beim SHOOTER trinken. Die Regeln sind schnell erklärt und leicht verständlich. Man bekommt eine Auswahl von 15 verschiedenen Schnäpsen, die nacheinander zu leeren sind. Gelingt es ohne umzufallen, bekommt man ein T-Shirt, und wird namentlich in der HALL OF FAME verewigt. Die beiden Kollegen wagen gleich zwei Durchgänge, und sind bereits stark angeschlagen. Ihre beiden philippinischen Mädels haben scheinbar unterschiedliche Meinungen zu diesem Schauspiel. Während eine von ihnen (sie ist taubstumm), das Geschehen eher skeptisch betrachtet, trinkt die andere eine Runde mit.

Dann geht alles sehr schnell und unsere beiden Helden können nicht mehr sprechen. Der ältere verlässt die Bar im gekonnten Slalomlauf, während sein Girl kurzerhand ihren Mageninhalt im Waschbecken zurücklässt. Zurück bleibt ein im Stuhl schlafender Kampftrinker, der von Matthias und mir nach Hause getragen wird.

Matthias ist der Besitzer des SUNSPLASH.  Wir reden noch lange über MALAPASCUA, und erfahren viel über die Insel.

 

Samstag 13.April 2002

Das Wochenende beginnt mit einer überfallartigen Ankunft philippinischer Touristen. Unsere Nachbarhütten sind schlagartig ausgebucht und weil der Platz nicht ausreicht, werden noch zusätzlich Zelte aufgestellt. Unzählige Sachen werden herangeschleppt, und so entsteht hinter unserer Hütte eine Art Feldküche. Mit der Ruhe ist es nun vorbei, und auch die Plastikstühle sind fest in philippinischer Hand. Am Nachmittag beginnt es dann fürchterlich zu regnen. Wir nutzen die Gelegenheit, um uns unter freiem Himmel zu duschen. Ein Vergnügen der besonderen Art. Besonders dann, wenn das Badezimmer von etlichen Moskitos belagert wird. Die Filipinos tun es uns gleich. Ob die auch Moskitos im Bad haben?


 


Sonntag 14. April 2002

Das Wetter wird besser, und wir verbringen einen herrlichen Nachmittag auf der FLOATING BAR.

Die Filipinos reisen ab, und es stellt sich Ruhe auf der Insel ein. Es sind ohnehin nicht allzu viele Gäste hier. An der Bar beschließen wir den Abend und bereiten uns auf den morgigen Abreisetag vor.  

 

Montag 15. April 2002

 


Das Boot legt gegen 9 Uhr ab, und wir hatten gerade noch Zeit für das Frühstück. Eine Stunde später sitzen wir im Bus, und warten darauf, dass es endlich los geht. Es ist glühend heiß, doch abgefahren wird erst, als das Gefährt völlig überfüllt ist. Wir nennen unseren Zielort: HAGNAYA, und werden unterwegs abgesetzt. Mit dem Tricycle noch ein paar Kilometer Fahrt, und schon erreichen wir das Boot, welches uns innerhalb einer Stunde nach BANTAYAN bringt.


 

Wir gehen zu einem Ressort unter dänischer Leitung. Obwohl die Preise über unserem Budget liegen, bleiben wir und beschließen etwas anderes in der nächsten Zeit zu suchen. Die Suche nach einer neuen Unterkunft gestaltet sich allerdings schwierig. Entweder ist alles restlos überteuert, oder man bietet uns eine Bruchbude für 400 Peso an. Wir bleiben insgesamt vier Tagen in SANTA FE und lernen einige Leute in Roberts Bar kennen.

 

Alle sind im gesetzteren Alter, männlich, und in Begleitung von philippinischen Mädchen. Die anfangs lustigen Abende gehen uns allmählich auf die Nerven. Besonders als wir mitbekommen, dass diese Herren sich an jüngere Mädchen heran machen.

 

Heike liest schon den ganzen Nachmittag im Reiseführer. 


In der Regel deutet das auf einen baldigen Ortswechsel hin. Bei einer Fahrradtour entdeckten wir eine weitere Unterkunft
etwa zwölf Kilometer entfernt. In der Mittagshitze entgehen wir nur knapp einem Sonnenstich und erholen uns hier im Ort SULANGAN. Wir sind die einzigen Gäste, und beschließen am Freitag  hierher zurück zu kommen. Die Hütten sind sehr komfortabel gebaut. Da kann man schon mal über den recht bescheidenen Strand hinweg sehen.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Freitag 17. April 2002

Mit den Tricycle erreichen wir unser neues Heim: MAIA BEACH in SULANGAN.

 

 


Wir sind wieder die einzigen Gäste und beziehen einen Bungalow  mit Meerblick. Am frühen Nachmittag hören wir, dass sich im Dorf viele Leute versammelt haben. Es wird Volleyball gespielt, und wir beschließen nach einem kleinen Rundgang etwas später zuzusehen. Unser Spaziergang erweist sich jedoch als recht anstrengend, da uns zahlreiche Kinder auf Schritt und Tritt folgen. Also, - zurück zum Spielfeld.
 

 

 


Sofort wird uns eine Sitzgelegenheit angeboten, und die Leute beobachten und neugierig. Die Regeln sind etwas anders als bei uns. Beispielsweise darf man dem Ball in das Netz spielen, und anschließend noch einmal annehmen. Die Burschen beherrschen diese Technik perfekt, und bauen sie immer wieder in ihr Spiel ein. Der Schiedsrichter notiert den Spielstand auf einem gelochten Holzbrett, indem er zwei passende Stöcke in die jeweiligen Löcher steckt. Er verwaltet ebenfalls den Einsatz von 50 Peso, den die Spieler pro Kopf zu entrichten haben. Am Ende werde ich aufgefordert mein Können unter Beweis zu stellen.

Ich kann wohl gar nicht so schlecht gewesen sein, denn nur Minuten später ergießen sich zwei Flaschen Rum und ein Liter Cola in einen Plastikbehälter, und das Glas macht die Runde. Das Ganze nennt sich 2-4-1 (two-for-one)

Ein Mann verwaltet den Drink, füllt das Glas mit einem kleinen Schluck und reicht es dem, der an der Reihe ist. Eine recht angenehme Art zu trinken, wenn auch für uns ungewohnt.


Lange reden wir über Deutschland und BANTAYAN. Wir erfahren viel über jeden Einzelnen in unserer Runde und das Dorf. Die Leute sind ebenso erfreut wie verwundert, dass wir bei ihnen sitzen und uns nicht im MAIA Ressort aufhalten. Angeblich hat das vor uns noch niemand gemacht. Kaum zu glauben, bei dieser Gastfreundschaft. Schließlich wird uns noch getrockneter Fisch und Maisbrei serviert.

Einige Flaschen später verabschieden wir uns mit dem Versprechen morgen gemeinsam Volleyball zu spielen.

 

 

 

Samstag 20. April 2002

 


Wir verbringen den Tag am Strand, und lassen es uns richtig gut gehen. Ein kurzer Schnorchelausflug endet recht enttäuschend. Außer  einer ca. 80 cm langen Wasserschlange gibt es nichts zu sehen.

 


Immer wieder kommen Gruppen von philippinischen Touristen, und besichtigten das Ressort. Der Ablauf ist fast immer der gleiche. Die zwanzig bis dreißig Personen starke Gruppe geht schnurstracks auf die Bar zu,  wobei sich die Mädchen schon einmal fleißig ihre Haare bürsten. Danach folgt das übliche Foto Shooting, bei dem jeder mit jedem abgelichtet wird. Zwanzig Minuten später ist der Spuk vorbei, und niemand mehr zu sehen. Wir fragen eine Angestellte, was das zu bedeuten hat, und erhalten die Auskunft, dass die Filipinos  hier keinen Pool vorgefunden hätten. Deshalb seien Sie wieder abgereist. Was für eine Welt?

Wir reisen um den halben Globus um im warmen Meer zu baden und die hätten lieber einen Chlortümpel. Mit dieser neuen Erfahrungen gehen wir zum Volleyball. Es regnet inzwischen, und die Veranstaltung fällt vermutlich aus. Jedenfalls ist heute niemand da.  

So schlendern wir mit unserem geliehenen Regenschirm durch den Ort, und kommen mit einigen netten Leuten ins Gespräch. Schließlich werden wir noch Zeuge einer Hausschlachtung. Im Licht der Laternen wir fachgerecht ein Schwein zerlegt. Ein Vorgang der jeden deutschen Hygieniker in den Wahnsinn treiben würde.

Nun  werden wir doch noch angesprochen, und in eine Hütte gebeten. Ein Mädchen besorgt das übliche Getränk, und wir genießen die schöne Situation im Schein der Petroleumlampen. Es gibt seit zwei Stunden keinen Strom mehr, und so ist in jeder Behausung nur noch ein flackerndes Lämpchen zu sehen. 

Der mitgebrachte  Reiseführer  macht die Runde, und wird mit Interesse durchgeblättert. Nun lernen wir unsere ersten Worte in Cebuano, und alle haben einen Heidenspaß an unserer Aussprache.

 Wir versprechen morgen zur Disco zu kommen. Es handelt sich dabei um eine Art Dorffest, das auf einem großen Platz abgehalten wird. Eigentlich wollten wir morgen weiterziehen, diesen Event lassen wir uns jedoch nicht entgehen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag 21. April 2002

 


Das Frühstück darf sich heute allein essen. Heike ist krank. Sie kann nichts zu sich nehmen und liegt flach. Von Durchfall und Brechreiz geplagt, versucht sie wenigstens zu trinken, um nicht zu viel Flüssigkeit zu verlieren. Der Tag vergeht nur
langsam. Es gibt nichts zu tun, außer am Strand zu liegen, oder ab und zu einem Shake zu trinken. Am Nachmittag erholt sich Heike langsam, und begleitet mich zum heutigen Volleyballspiel. Natürlich ist auch schon ein Partner für mich ausgewählt worden. An Zuschauern mangelt es heute nicht. Wann kommt es schon mal vor, dass ein Weißer mitspielt.

1-2-3,- Spiel vorbei, und.... knapp verloren. Ist eigentlich Nebensache, denn Sammy gibt erst mal einen aus. Nach dieser schweißtreibenden Angelegenheit brauche ich noch mal eine Dusche, bevor wir uns disco- - fertig machen. Im Moment wird für jedermann unüberhörbar der Gottesdienst abgehalten. Von Kindern umgeben, haben 

 

wir das Gefühl die Zeremonie zu stören, und so verziehen wir uns zum D.J. Der hat schon am Nachmittag seine Anlage und eine Lautsprecherbox vom Kaliber Kleiderschrank auf dem Dorfplatz aufgestellt. Die Burschen sind schon wieder am zechen, und ständig haben auch wir das Glas in der Hand. Dann ist der Gottesdienst zu Ende, - der Spaß beginnt. Sofort strömen alle Kinder auf die Tanzfläche, gefolgt von einigen Erwachsenen. Die aufgehängten Lichterketten erhellen den Platz nur mäßig, und so kann man die im Hintergrund angebundenen Schweine und Ziegen kaum noch erkennen. 

 

 

Zwischendurch bekommen wir bei Sammys Bruder noch einen gegrillten Squid  serviert. Und immer wieder kommt das Glas bei uns an. Ob das wohl gut geht? Zurück bei der Disco, tanzen wir dann auch kräftig mit, und werden prompt zur Kasse gebeten. Pro Tanz und Nase  ist ein Peso zu entrichten. Schließlich muss die Musik ja auch bezahlt werden.

Irgendwann muss ich gehen. Das Fest ist noch in vollem Gange, aber ich kann nicht mal mehr einen Rum/Coke trinken. Schade eigentlich, - Heike erzählte, es wäre noch recht nett gewesen.

 

 


Montag 22.April 2002


Mein erster klarer Gedanke an diesem Morgen lautet: Nie mehr Rum/Coke ! Ich verbringe den halben Tag im Bett, weil ich heute etwas lichtempfindlich bin. Als es mir nachmittags wieder besser geht, schauen wir noch ein wenig Volleyball, und nehmen unser erstes Abendessen im Ressort zu uns. An den Tagen zuvor wurde das Restaurant schon gar nicht mehr geöffnet. Wir sind immer noch die einzigen Gäste, und  eigentlich zur Abendzeit ständig im Dorf. Die Disco Anlage steht noch, und wird für die Kinder noch einmal eingeschaltet. Als Heike sich unter die tanzenden Kids mischt, entsteht erneut einen Volksauflauf, und alle haben daran ihren Spaß.


  

Nach Einbruch der Dunkelheit bittet uns Sammy in die Hütte seines Nachbarn. Es regnet leicht, so warten wir auf besseres Wetter. Natürlich nicht ohne Getränke. Meine guten Vorsätze vom Morgen sind nach dem zweiten Glas wie weggeweht. So konzentriere ich mich auf Schadensbegrenzung, indem ich die Menge kontrolliere. Der Regen endet, und wir sitzen draußen mit allen Nachbarn. Nun werden die unterschiedlichsten Lebensgewohnheiten zwischen Deutschland und Sulangan besprochen. Ramon, ein recht  stimmbegabter  Kollege, gibt seine herzzerreißenden Gesangskünste zum Besten. 

 

 

 

 


 

Und auch wir kommen nicht umhin ein deutschsprachiges Weihnachtslied zu singen, um die Neugierde unserer Freunde zu stillen. Mit dem Versprechen einige Fotos zu schicken gehen wir schlafen, und bereiten uns schon mal auf unsere morgige  Abreise vor. "Die Leute im Dorf werden euch vermissen", waren Sammys letzte Worte an diesem Abend. Angeblich seien zuvor niemals Touristen längere Zeit im Dorf gewesen. Schon gar nicht hätten welche mit unseren Freunden zusammen gegessen und getrunken.

Etwas schöneres hätte er uns zum Abschied nicht sagen können.

 

Dienstag 23. April 2002

Um 8:30  sitzen wir im Tricycle und erreichten wenig später den Hafen von SANTA FE. Wir möchten die restlichen Tage auf MALAPASCUA verbringen, mit den schönen Abenden auf der FLOATING BAR.  Es sind nur noch wenige Touristen auf dieser Insel, so kennt man sich schnell untereinander. Wir verbringen schöne Tage mit einem englisch/philippinischen Paar sowie Craig und Debbie aus Australien. Schon ist der Samstag da, der uns nach CEBU CITY zwingt. Ein letzter Abend in verschiedenen Bars, verbunden mit dem Versuch das restliche Geld loszuwerden.

Wir kaufen noch einige Kleinigkeiten und verbringen die letzten Stunden in der Billard Bar. Gegen 14 Uhr sagen wir Ade.

Ein letzter Blick zurück. Und dieses unangenehme Gefühl, nicht zu wissen wann man wieder hierher kommt. Der verzweifelte Versuch sich alle optischen Einzelheiten genau einzuprägen und in Erinnerung zu halten.  Eigentlich völlig unnötig. Die schönen Erlebnisse der letzten vier Wochen haben sich längst schon in meinem Gedächtnis eingebrannt. Besonders die netten Abende in SULANGAN, und die herzliche Gastfreundschaft seiner Bewohner.  Das ist es, was ich mitnehme, was mir niemand mehr nehmen kann, und was mich immer wieder zu weiteren Reisen treibt.

 

Andreas Fischer

 

Pfeil nach oben Zum Seitenanfang

Zurück zur Reiseberichtsübersicht

Zurück zur Homepage